Dr. med. Thomas Opitz

Facharzt für Allgemeinmedizin
Chirotherapie/Palliativmedizin/Biologische Medizin (Universität Mailand)

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Dr. med. Thomas Opitz Nicolaistr. 3 01307 Dresden

Kontakt: Telefon: 0351 4593039 Telefax: 0351 4593035 E-Mail: buero@thopitz-praxis.de Berufsbezeichnung: Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie

Zuständige Kammer: Landesärztekammer Sachsen, Schützenhöhe 16, 01099 Dresden

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Zeitgemäße Betrachtungen

Zeitgemäße Betrachtungen II:
Über das Warten - Zur Untersuchung eines Alltagsphänomens (Text von Thomas Opitz)




Denn der Raum des Geistes, dort wo er seine Flügel öffnen kann, das ist die Stille.
A. de Saint-Exupéry



Dresden, im März 2021

K. wartet.
Er selbst würde sagen, er erwarte etwas, mit Unbehagen, mit Ungeduld. Gestern war ihm an sich ein Schwächegefühl aufgefallen, im Hals spürte er ein leichtes Kratzen, pulsierenden Schmerz hinter den Augäpfeln. Als informierter Mensch deutete er die Symptome als den Beginn einer Infektion, naheliegend mit dem Coronavirus, über dessen rasante Ausbreitung seit Monaten in allen ihm zugänglichen Medien hochemotional berichtet wird.
So hatte er, stets um Gewissheit bemüht, unverzüglich einen Arzt aufgesucht, der ihm in Schutzkleidung und Maske wie ein Phantom entgegengetreten war und wortlos-ungerührt einen langen Abstrichtupfer tief in seiner Nase versenkte, um das für einen Test benötigte Sekret zu gewinnen. Während er noch überlegte, wie er diese Erfahrung einordnen sollte, fand er sich schon auf der Straße wieder, versehen mit dem eindringlichen Gebot, sich sofort nach Hause zu begeben und dort zu verbleiben, bis man ihn über sein Untersuchungsergebnis und dessen weitere Konsequenzen informieren würde. Seitdem wartet er…

Auch S. wartet, schweigend. Er steht seit Beginn der Morgendämmerung an der Elbe, am Rande eines kleinen Hafenbeckens. Die Verwandlung des Himmels hat er wahrgenommen, nachtfarbene Wolken kommen und ziehen gesehen, das Zwitschern der erwachenden Vögel gehört und die aufsteigende Kälte in den Knochen gefühlt. Sein Blick ist auf die dünne Spitze einer Angelrute gerichtet, deren Zucken ihm nicht entgehen darf, sobald sich die erhoffte Beute am Köder labt. Gestern war er hier, auch am Morgen davor – beide Male „erfolglos“…

Anders wartet C., seit Jahren schon. Sie lebt mit ihrem Mann in einer kleinen Vorstadtwohnung, die beiden Kinder sind längst aus dem Haus, wohnen in der Ferne und arbeiten viel. Sie hat über alle Jahre die Freuden und Lasten des Alltags getragen, zugehört, Trost und Ermutigung gespendet und eigene Wünsche wie selbstverständlich zurückgestellt. Die Einrichtung und Pflege der blitzsauberen Wohnung sind allein ihr Werk; nie hat sie aufgehört, ihrem Gatten die gemeinsame Welt behaglich machen zu wollen. Der aber schweigt, schon immer. Kein Streit, kein tieferes Zerwürfnis, kein Vertrauensbruch belastet die Beziehung. Nur seine Gleichgültigkeit irritiert und sie altert in unerfülltem Verlangen, im lebenslangen Warten auf ein liebevoll-anerkennendes Wort…

Die drei oben angeführten Schilderungen mögen einen Hinweis geben auf die Vielschichtigkeit eines Phänomens, das wir alle hinreichend zu kennen glauben, gefühlsmäßig verstehen und tagtäglich auszubalancieren gezwungen sind. Ich behaupte keinesfalls, in der Bewältigung jener inneren Unruhe, die mich als Wartenden überkommt, besonders fortgeschritten zu sein.

Was aber könnten die Gründe dafür sein, daß dieses gemeinhin als soziale Verhaltensweise erlernte, eingeübte und zumindest tolerierte Warten-Müssen heute überproportional häufig bizarre, unvorhersehbare, zuweilen bedrohliche Reaktionen hervorruft, die auch den gelassensten Beobachter erschrecken und das soziale Klima nicht unerheblich belasten?

Warum könnte es sich lohnen, genauer hinzuschauen und zum Wesen eines Phänomens vorzudringen, daß uns in seiner historischen Wandelbarkeit, inneren Dynamik und soziologischen Bedeutung überrascht? Könnte es sein, das auch am oben behaupteten Wandel einer „Kultur des Wartens“ jene Verschiebungen, Umbewertungen, Deformationen und Brüche sichtbar werden, denen unsere moderne Gesellschaft als Ganze unterworfen ist?

Was wollen wir unter Warten verstehen?

Ich wage in diesem Essay, der als eine Apologie des Wartens gelesen werden soll, die These, daß im Grunde jedem Warten ein kostbares Wahrnehmungspotenzial innewohnt, das es zu sehen, zu ergreifen und als ein Können zu entwickeln gilt, damit sein kultivierter Gebrauch im Sinne eines guten Lebens zur „Lebenskunst“ werden kann. Dieses Potenzial ist etwas im eigentlichen Sinne wert-volles, ein wirklicher Schatz, der gehoben zu werden verdient; seine Bergung ist Aufgabe, möglicher Gewinn sind Gelassenheit, Seinsqualität, Welt- und Selbsterkenntnis.

Damit in Zusammenhang steht meine Ablehnung einer Haltung der „Wartezeitoptimierung“ durch Strategie, Auffüllung, Irreführung und Ablenkung, wie sie im Zeitalter der Verfügbarkeit mobiler Multimedia-Anwendungen und allgegenwärtiger Musikbeschallung inzwischen gängige Praxis geworden ist.

In Anlehnung an meine einleitenden Skizzen verstehe ich das Warten als Vermögen, an einem Ort / in einer Situation zu verweilen, bis diese sich ändert, das heißt auch: dem Eintreffen von etwas (bewußt) entgegenzusehen. Das Warten stellt eine oft beunruhigend und angstvoll besetzte, gelegentlich quälend empfundene, Unterbrechung im Zeitfluss dar, ermöglicht aber gerade hierdurch Empfindung von Gegenwart als „ein Erleben und Erfahren von Zeit“(A.Göttlich).

Wir erleben Warten-Müssen und die damit zusammenhängende Wartezeit häufig als zutiefst „unproduktiv“, fühlen uns in unseren stets auf Erledigung angelegten Lebensvollzügen gehemmt, auf geradezu empörende Weise zur Passivität verurteilt. Zügig produzieren wir ein negatives Spektrum emotionaler Einfärbung, das von Erstarrung bis zu ungehemmter Wut reicht und im sozialen Bereich rasch durch die Witterung einer demütigenden Zurücksetzung beflügelt wird; denn: Über soziales Prestige verfügen heißt eben, nicht warten zu müssen!

Auf den Begriff des Wartens wie auf ein bisher unbewohntes Eiland geworfen, wird es hilfreich sein, den vom gewohnten Zeitfluss abgekoppelten Flecken zunächst denkerisch abzuschreiten und Koordinaten aufzusuchen, an denen wir selbst die Marksteine eigener Bedeutungszuschreibung eingegraben haben, sodann deren Verbindung und die Modi emotionaler Färbung aufzuzeigen, um schließlich und hoffentlich Aussagen Raum geben zu können, die zum affirmativen Quell angemessener Bewertung leiten sollen.

Meist gelangen wir ohne eigentliches Verschulden in die Situation des Wartenden. Unerwartet schließen sich die Schranken vor uns, ein Stau blockiert die Weiterfahrt, zehn Menschen hatten gleich mir die Idee, „nur schnell“ Brötchen beim Bäcker einzukaufen… Eben noch fließende Handlungsvollzüge geraten ins Stocken und … bleiben stehen… Das empfinden wir, mit der heute üblichen Neigung zur Hysterie, als „unglaublich“, „unerhört“, „katastrophal“ und beschreiben damit Qualitäten subjektiven Erlebens wie Handlungsunfähigkeit, die sich, emotional eingefärbt, als Stagnation, Aufschub und Lähmung aufdrängt. Eine andere Wahrnehmung ist Unverfügbarkeit, vorschnell als Verlust und (kränkende) Beschränkung empfunden, desgleichen Unbestimmtheit, mit den emotionalen Begleitern Angst, Ohnmacht und Unruhe. Unter dem Einfluss moderner Gesellschaften und der selbstintegrierten Forderung alternativloser Performance, Identität und Individualisierung jedoch wird der eher realistischen, zuweilen deprimierenden Mischung die explosive Würze durch eine Zuschreibung beigegeben, die sich mit den Begriffen Herausforderung und Konfrontation charakterisieren lässt. Folgerichtig wird Warten-Müssen als „Zeitraub“, „Ausbremsen“, „Kaltstellen“ eingefärbt. Hastig reagierend, werden Drohkulissen errichtet und unkritisch die größten Kaliber in Stellung (und in Einsatz) gebracht. Die Handlungsfolgen dieser „Abwehr“ reichen dann von fruchtlosen emotionalen Aufwallungen und gedankenlosen Verletzungen bis zu ernsthaften und nachhaltigen Störungen des Zusammenlebens, die in Ausgrenzung, Hass und Gewalt ihren Ausdruck finden.

Wie aber sollen wir Situationen begegnen, in denen wir uns verleitet fühlen, eine Abkürzung des unerträglich und unentrinnbar empfundenen „Verweilen-Müssens“ gleichsam herbei zu zwingen, ohne Rücksicht auf etwaige Kosten unseres Handelns?

Gibt es einen Weg hin zu vernunftgeleiteter Betrachtung, zu einer sachlichen, angemessenen Bewertung aus innerer emotionaler Distanz, die sich nicht fortreißen läßt und die Zeit hat, mit Möglichkeiten zu spielen?

Es sei hier von einer Haltung die Rede, die sich an der Erkenntnis eines Unabänderlichen aus- und aufrichtet, besonnen und achtsam urteilt. Diese Haltung kennt und praktiziert ein „Sich-Einlassen“ auf den Moment, ist aufgeschlossen und neugierig allem (auch sich selbst!) gegenüber. So gerüstet, würde dem Tun ein Ertragen entgegengesetzt, Geduld und Demut eingeübt, Vertrauen ermöglicht und Hoffnung geboren werden können. Darüberhinaus dürfte sich bei willig verweilender Betrachtung jene Zeitinsel vermeintlichen Stillstandes zu einer Landschaft eigener Fülle wandeln, in der es Keimendes und Blühendes wie Welkendes und Sterbendes zu entdecken gibt – die uns zum Ort wird, der die Mysterien des Lebens enthält. Hier, vermeintlich zur Passivität verurteilt, könnten wir wirklich „zu uns“ finden, als ein (eigenwilliges) Bauteil des unendlichen Universums. In der Stille, in der Abwesenheit vernebelnder Reizüberflutung, würden wir vielleicht der Idee Raum geben können, daß es oft unsere Urteile sind, die uns auf Abwege und in vermeintlich ausweglose Lagen führen. In den Kehrwassern des Zeitflusses, wo die Muße wohnt, könnten wir uns nähren und aufladen lassen und im kritischen Dialog mit uns selbst wahre Freiheit, d.h. Selbstbeherrschung, erwerben und einüben.

Mein verehrter Mentor Thomas Gutknecht hat es so ausgedrückt:
„Uns allen ist es aufgegeben, zu warten.“






Von Fabian Erhardt

© Dr. Thomas Opitz. Alle Rechte vorbehalten.

Zeitgemäße Betrachtung I: Nähe und Ferne in Zeiten von Covid-19

PhilosophInnen, welche sich dieser Tage zur Corona-Krise äußern, nehmen meist das große Ganze in den Blick, statt sich den konkreten Spuren zu widmen, die das neu entstandene Infektionsrisiko in unserer alltäglichen Erfahrung hinterlässt. Möge uns eine kleine Auswahl der unzähligen Beispiele genügen: Da melden sich SkeptikerInnen der Naturwissenschaften zu Wort, die anmahnen, dass das Sich-Verlassen auf Modelle Gefahren birgt, und uns nicht davon entlastet, moralische Wesen zu sein; es wird zu verstehen gegeben, dass die bisherige Weltordnung sich nun endgültig als obsolet erweisen wird; die Europäische Union habe nun ihr wahres Gesicht gezeigt, und könne nicht länger ernsthaft Zustimmung erwarten; endlich, so liest man vielerorts, haben die meisten das, was sie sich heimlich wünschen, nämlich einen Autokratie-Wolf im Demokratie-Schafspelz; KlimaschützerInnen werden nicht müde zu betonen, dass die Weltgemeinschaft ihr Tempo ja augenscheinlich doch drosseln könne, wenn sie nur wolle.

Hier soll nicht in Abrede gestellt werden, dass alle diese Hinsichten einen Gehalt haben, der zu diskutieren bleibt. Was aber in Abrede gestellt werden soll, ist der philosophische Sinn des Verfahrens, eine pandemische Krise als theoretisches Argument in Anspruch zu nehmen, bevor sie als individuelle wie kollektive Grenzerfahrung zu einer ersten Beruhigung gelangen konnte. Kann es sein, dass diese irgendwie richtigen, aber zum jetzigen Zeitpunkt notwendig oberflächlichen Beobachtungen kaschieren sollen, dass man zur konkreten Erfahrung einer viralen Pandemie nicht viel beizutragen hat? Für die Philosophie ist eine Krise kein Ereignis, um Theorien zu bestätigen oder zu widerlegen; für die Philosophie ist eine Krise ein Ereignis, in dem es darum geht, zu einer Beschreibung unserer Erfahrung zu gelangen, die uns dabei unterstützt, mit ebendieser Erfahrung wacher und expliziter umgehen zu können als ohne diese Beschreibung. Philosophisch informativ heisst: So unverstellt wie nur möglich die grundsätzlichsten Umrisse der Lage zu erhellen, in die wir uns unfreiwillig verstrickt finden.

Höhere gesellige Lebensformen wie der Mensch wachsen nicht einfach in eine ökologische Nische hinein, sondern organisieren die Nischen, in denen sie sich bewegen. Ökologische Nischen werden so zu den menschlichen „Innenräumen“ unseres alltäglichen Lebens: Eine Bäckerei ist ein spezifisch gestalteter Innenraum, in dem man sich einfindet, um Backwaren zu erwerben; ein Spielplatz ist ein spezifisch gestalteter Innenraum, den man aufsucht, um zu spielen; ein Bus ist ein spezifisch gestalteter Innenraum, der für seine Mobilität geschätzt wird; aber auch eine Freundschaft ist in diesem Sinne ein spezifisch gestalteter Innenraum, in dem sich Menschen auf besondere Weise füreinander interessieren. Diese Innenräume ordnen sich auf einer Skala von relativer Nähe und relativer Ferne an: der familiäre Innenraum ist uns sehr nah, der berufliche Innenraum meist etwas weniger nah, der stadtbürgerliche Innenraum oft schon bedeutend ferner, der staatsbürgerliche Innenraum vielen erstaunlicherweise wieder etwas näher. Diese geteilten Innenräume sind das evolutionäre Erfolgsrezept des Menschen gegen Gefahren von außen, Gefahren wohlgemerkt, die in zahlreichen Fällen von einem „Außen“ auf ein „Innen“ zukommen. Nicht das Virus: Es „zerspringt“ regelrecht, in zahlreichen Innenräumen auf einmal, oder zumindest in schneller zeitlicher Abfolge. Zügig wird unklar, welche Innenräume noch virenfrei sind, und welche nicht.

Das, was uns für gewöhnlich Sicherheit bietet - geteilte Innenräume - entpuppt sich als größte Gefahrenquelle, unsere „Achillesferse“: Jeder Innenraum ist potenziell Ansteckungsraum. Niemand, der diese Tage sein eigenes Husten, das Husten eines Familienmitglieds, oder das des Nachbars im Garten nicht argwöhnischer und sorgenvoller bemerkte als sonst. Die Gefahr kommt nicht von außen, sie ist immer schon innen angekommen, unklar ist nur, bis in welches Innen sie schon fortgeschritten ist. Wir verfügen nur über zwei effektive soziale Praktiken, die ohne medizinische Infrastruktur gepflegt werden können: Hygiene und Distanznahme. Aber trotz ihrer Unerlässlichkeit bleiben Lücken, Löcher der Unsicherheit in den Innenräumen, in denen wir doch sonst unsere Routinen, unseren Rückzug suchen und finden. Mit anhaltendem Anstieg der Infektionen flimmern diese Löcher aufdringlicher, die nicht zu tilgende Unsicherheit macht sich mal als erlebte Wahrscheinlichkeit, infiziert zu sein, mal als erlebte Unwahrscheinlichkeit, schon infiziert zu sein, geltend.

Diese radikale Krise unserer Näheroutinen stellt uns vor immense Probleme: Welche Innenräume können ansteckungsfrei gehalten werden? Sicherlich nicht alle, und außerhalb familiärer und individueller Innenräume wohl zunächst auch nicht viele. Menschliche Nähe, das Medium, in dem wir uns bewegen wie Goldfische im Wasser, wird zum allgemeinen Verdachtsfall -innerhalb weniger Tage und Wochen vibriert in den Winkeln unserer Erfahrung die diffuse, aber reale Möglichkeit einer SARS-CoV-2-Infektion durch nahezu alle Formate menschlicher Nähe. Selbst SpaziergängerInnen auf Waldwegen spüren eine mehr oder weniger subtile Erleichterung, nachdem die Meter des Aufeinander-Zugehens vorbei sind, und man einander mit gebührendem Abstand endlich passiert hat. Nach allem, was wir bisher wissen, könnte jede/r auf eine Weise erkranken, die eine Behandlung erfordern würde, die je nach Zeitpunkt wegen Überbeanspruchung dieses Behandlungstyps nicht verfügbar ist – mit jeweils unabsehbaren Folgen. Nach bisherigem Stand kann das jeden treffen, außer Kinder. Empfindliche Bereiche menschlichen Lebens sind von der hierdurch drohenden und in Teilen bereits erfolgten „Vernichtung des Beziehungsraums“ (Peter Sloterdijk) besonders betroffen: Zahlreiche Covid-19-PatientInnen sterben auf Isolierstationen, umhüllt von geschäftiger, maskierter Anonymität; Sterbebegleitung und Angehörigenbesuche können auch bei anderen Todesursachen kaum mehr gewährt werden; Frauen gebären ohne Angehörige.

Unser soziales, unser mentales Immunsystem ist dadurch gezwungen, sich auf eine Unmöglichkeit einzustellen: die Übergangsräume von Leben und Tod zu beseelen, ohne sie als Innenräume zu gestalten, die betretbar sind. Da wir das häufig nicht schaffen werden, bedarf es einer Ethik des Leidens, des Scheiterns, der Unfähigkeit, des Schuld-Aushaltens. Wir werden nicht imstande sein, irreparable Trennungskatastrophen zu vermeiden. Die namenlose Macht des viralen Roulettes wird viel zu viele mit einer Gewalt treffen, die sich nicht in eine Sinnerfahrung übersetzen lässt. Diese pandemischen Grausamkeiten der Zerstörung des Vertrauens in unsere Innenräume, der Sperrung unserer Übergangsräume, der unvermeidlichen Näheverbote beim ersten wie beim letzten Geleit, sie alle werden es uns abverlangen, das Unerträgliche über das übliche Maß hinaus zu ertragen. Sich das bewusst zu machen, hat mit Resignation nichts zu tun; vielmehr ist die Einsicht, uns von diesem Leid nicht emanzipieren können, eine der wenigen Optionen, uns darauf vorzubereiten, Depression und Stagnation auszuhalten, ohne unter ihrer Last zu zerbrechen.

Das ist unfassbar schwierig, keine Frage. Wir alle merken unseren Blicken, unserer Scheu, unseren Ausweichinstinkten, unseren Zuckungen zur Selbstbevorteilung an, wie „besetzt“, wie „aufgeladen“ das Virus ist. Jede/r lernt gerade die Scham kennen, die damit verbunden ist, andere reflexhaft zu verdächtigen; jede/r spürt seine persönliche Angst, wider Erwarten selbst schuldig zu sein, das Virus zu tragen und zu verteilen, unter Umständen bis zu jemand, der es nicht verkraften wird. Jede/r hat sich wohl schon einmal der Vorstellung hingegeben, plötzlich in einem überfüllten Krankenhaus inmitten überlasteten Personals um das eigene Leben zu ringen, in völliger Unsicherheit, die Liebsten, das Sonnenlicht, das eigene Zuhause nochmal wiederzusehen. Die eigene Verwundbarkeit mit solch’ erbarmungsloser Wucht vor Augen geführt zu bekommen, ist eigentlich zu anstrengend für uns. Der Mensch funktioniert auch deshalb, weil er sich von dieser Verwundbarkeit erfolgreich ablenken kann. Das geht vorerst nicht mehr. Wir sind wieder darauf zurückgeworfen, die zu sein, von denen die alten Mythen und religiösen Erzählungen künden: Sterbliche, vom Schicksal Gebeutelte, von Ungewissheit Umhüllte, in ihre endlichen Grenzen Gewiesene. Damals wie heute schämen wir uns ob unserer eigenen Verwundbarkeit, damals wie heute ist uns der andere als derjenige suspekt, der uns den entscheidenden Stoß über die Planke geben könnte.

Die Spielräume, die wir für unsere Trauerarbeit normalerweise nutzen, fehlen auf unbestimmte Zeit. Wir werden die endgültige Entfernung eines so wichtigen Anderen ohne die Option einer letzten Nähe verwandeln und integrieren müssen. Wir müssen darüber nachdenken, was das für uns bedeutet: wie wir das furchtbare Unerwartbare aufnehmen, ohne in seinen Bann zu geraten; wie wir der grenzenlosen Entferntheit eines Todesfalls auf der Isolierstation eine menschlich zuträgliche Abmessung geben, ohne zu verdrängen, ohne aufzugeben. Sind wir imstande, die Möglichkeit von Nähe von der Wirklichkeit geteilter Innenräume zu entkoppeln? Werden wir imaginative und symbolische Wege entdecken, Lebende, Sterbende und Tote innerhalb eines Horizonts zusammenhalten, um dem Trauma von der Schippe zu springen? Hoffnung ist der unbedingte Wille zur Kultur, und das bedeutet hier: Zeichen finden, die den Fern-Nähe-Raum für die Zurückbleibenden wie auch für die Hinübergehenden weiterhin markieren – ohne einen Zwischenstopp in Schutz- und Übergangsräumen einlegen zu dürfen.

Unsere mentalen und sozialen Immunsysteme aus dem Geist der Seuche zu konfigurieren bedeutet, trauer- wie freudekulturelle Kraft auch unter widrigsten Umständen zu entwickeln. Auf beispiellose Weise von unseren furchterregenden wie bewundernswerten, zutiefst menschlichen Vermögen Gebrauch machen: den Tod des Nächsten zu bewältigen, und Stimmungen zu erzeugen und zu verbreiten, die besser sind als die Lage. Viel zu oft ohne Gegenwart der Leiber, doch in Präsenz der Seelen. In Abwesenheit bekannter Innenräume und ihrer haltgebenden Rituale müssen wir auf unbestimmte Zeit pluralistisch, fragmentarisch, experimentell verfahren. Gerade für ältere MitbürgerInnen ist dies eine unzumutbare Belastung und Verunsicherung. Doch auch wenn das Virus die Gemeinschaft traditioneller Handhabe zeitweise zersetzt, besteht die Gemeinschaft der Erschütterten notgedrungen fort – ohne Fatalismus, ohne Glorie. In dieser Solidarität der Erschütterung offenbart sich, worum es im Leben und im Tod geht, und es ist das Dunkle der Erschütterung, aus welchem Risse der Erleuchtung aufflackern, ohne deshalb sofort die Nacht in einen Tag zu verwandeln. Jedes Flackern ist wertvoll und wegweisend, wenn es einer Einheit von Information und Animation Ausdruck verleiht, wenn es den Hang zur Hingabe an das Unglück sabotiert, um die Sache der Intelligenz, um die Sache der Herzlichkeit vor ihrer Preisgabe zu schützen.

Keine Kerze, kein Gebet, kein Gedanke, kein inneres Bild, kein Gespräch, keine Träne, für geliebte wie unbekannte, nahe wie ferne Menschen, die von Covid19 betroffen sind, ist umsonst. Jedes Lächeln, jede respektvolle Geste auf Distanz kommt an. Wir beseelen Räume, aber die Seele selbst ist nicht räumlich. Getragen von dem Ernst einer umfassenden Verantwortung vor dem Fortgang des Lebens, wird es sich als unumgänglich erweisen, von unserem Naturrecht auf Aufheiterung Gebrauch zu machen, mit dem Vorsatz, uns der Regeneration des zerfallenden Lebens zu widmen, ohne zu beschönigen, dass sich die Lebensgefühle vieler Menschen derzeit im freien Fall befinden. Arbeiten wir gemeinsam daran, dass kleine Botschaften diskreter Erfolge das symbolische, ästhetische und moralische Klima ebenso mitbestimmen wie die Notwendigkeit, unser Unverankertsein in einer eigendynamischen Realität zu akzeptieren, die wir nicht abzuschütteln imstande sind. Das ist keine Theorie großer Fragen, das ist eine Praxis kleiner Schritte.

Fabian Erhardt, der Autor dieses Textes, ist ein Philosoph aus Tübingen.
Er ist überzeugter Phänomenologe und Verfechter der Idee einer Philosophischen Praxis, deren Maßstab die konkrete Fülle menschlicher Erfahrung ist.

Was sind Ihre Gedanken, Gefühle, Ängste und Befürchtungen, aber auch Ausblicke und Hoffnungen angesichts einer Entwicklung, die wir nicht einzuschätzen vermögen, von Gegebenheiten, gegenüber denen wir uns "verhalten" müssen?